Schlafstörungen

Schlafstörungen gehören zu den häufigsten Beschwerden welche von Patienten bei Arztbesuchen beklagt werden.

  • In der Bundesrepublik Deutschland leiden etwa 20 % der Bevölkerung unter Schlafstörungen.
  • Von diesem Fünftel aller Bürger klagen 15-20 % über Einschlafstörungen, 20 % über Durchschlafstörungen und 25 % über eine zu kurze Schlafdauer, die übrigen Fälle sind nicht eindeutig zuzuordnen.
  • Der Anteil psychisch bedingter Schlafstörungen beträgt ungefähr 60 bis 70 %, der Anteil körperlich bedingter Schlafstörungen beträgt demnach immerhin 30 bis 40 %.

Psychische Probleme sind zwar eine der häufigsten Ursachen von Schlafstörungen, die häufigste Ursache von Tagesmüdigkeit und Tagesschläfrigkeit ist aber die Schlafapnoe. 1 bis 4 % der Bevölkerung leiden an einer Schlafapnoe. Die am häufigsten betroffene Bevölkerungsgruppe sind Männer zwischen 40 und 60 Jahren. Dort findet sich eine Schlafapnoe bei etwa 4 %. Bei Frauen in dieser Altersguppe zeigte sich eine Häufigkeit von 2 %. Mit höherem Lebensalter zeigt sich aber auch bei Frauen nach der Menopause eine Zunahme der Betroffenen.

Fragen und Antworten zu Schlafstörungen

01. Was ist eine Schlafapnoe?
Mit Apnoe (aus dem griechischen apnoia = Windstille, pneo=hauchen) wird eine Atempause bezeichnet.
Wer während des Schlafes – häufig verbunden mit starkem Schnarchen- mehr als 10 Atempausen pro Stunde von mehr als 10 Sekunden Dauer (pro Atempause) zeigt, der leidet unter einer Schlafapnoe-Erkrankung.
02. Seit wann kennt man Schlafapnoe-Erkrankungen?
Die moderne Schlafforschung nahm mit den ersten Hirnstrom-Messungen (EEG = Elektro-Enzephalo-Gramm) in den späten 20er Jahren ihren Anfang.
1953 wurde der sogenannte REM-Schlaf entdeckt, der Schlaf mit raschen Augenbewegungen, der weitgehend der Schlafphase entspricht, in der man träumt (Traumschlaf).
1955 wurden erstmals Schlafzyklen beschrieben. Seitdem weiß man, dass der Schlaf nicht gleichförmig über 6 bis 8 Stunden abläuft, sondern in mehrere Phasen unterteilt werden kann (Leichtschlaf, Tiefschlaf, Traumschlaf).
Seit Ende der 60er Jahre entwickelt sich die Schlafforschung rasant und führt zu einer immer genaueren Unterteilung einzelner Schlafstörungen.
(siehe auch Kapitel 11. „Wie unterscheidet man „gesunden“ Schlaf von „gestörtem“ Schlaf?“)

 

Schon seit vielen Jahrzehnten ist das Pickwick-Syndrom bekannt, eine Kombination von massivem Übergewicht, Schnarchen und Schlafsucht.
Es hat seinen Namen aus dem Roman von Charles Dickens „The Pickwick Papers“, den er 1836 veröffentlichte und in dem er einen fetten, schnarchenden, stets müden jungen Mann beschrieb, der bei jeder Gelegenheit einschlief.
Ende der 60er Jahre wurde erkannt, dass dieses Pickwick-Syndrom nichts anderes war als die Extremform einer Schlafapnoe mit einer Überbeanspruchung der Atemmuskulatur, dem sogen. Obesitas-Hypoventilations-Syndrom.
03. Wie entsteht eine Schlafapnoe-Erkrankung?
Während des Schlafes kommt es immer zu einer Erschlaffung der Muskulatur. Bei einigen Menschen ist die Erschlaffung der Schlundmuskulatur so ausgeprägt, dass ein vollständiger Kollaps mit Blockierung der oberen  Luftwege auftritt. Obwohl die Atemmuskulatur weiter Atemanstrengungen unternimmt, ist die Luft- und damit die Sauerstoffzufuhr unterbrochen. Der Sauerstoffgehalt des Blutes sinkt.
Bevor der Betroffene erstickt, weckt ihn jedoch eine Alarmreaktion des Körpers: Der Muskeltonus steigt,  die Schlundmuskulatur öffnet sich und der Atemweg wird wieder frei. Liegt zusätzlich eine anatomische Enge der oberen Luftwege vor, wie z.B. eine Verbiegung der Nasenscheidewand, vergrößerte Nasenschwellkörper oder große Gaumenmandeln, ein schlaffes Gaumensegel und ein vergrößerter Zungengrund, wird die Atmung während des Schlafes zusätzlich beeinträchtigt.
Auf diese Weise wird der normale Schlafablauf gestört, insbesondere der für die Erholung wichtige Tiefschlaf- und REM-Schlafanteil verringert.
(siehe Kapitel 11. „Wie unterscheidet man „gesunden“ Schlaf von „gestörtem“ Schlaf?“)
In schwersten Fällen wiederholt sich der beschriebene Vorgang bis zu 100 Mal in einer Stunde. Im Falle eines 6-stündigen Nachtschlafes bedeutet das 600 Atemaussetzer mit deutlichen Verminderungen des Sauerstoffgehaltes im Blut in einer einzigen Nacht. Da es ohne Behandlung in jeder Nacht zu Atemaussetzern kommt, bedeutet dieses auf ein Jahr gerechnet die unglaubliche Anzahl von 219.000 Atemaussetzern.
04. Wie stelle ich fest, ob auch ich an Schlafapnoe leide ?
Fragen Sie Ihre Partnerin / Ihren Partner, ob Sie nachts laut und unregelmäßig Schnarchen und ob Sie Atemaussetzer haben, die manchmal von einem „explosionsartigen“ Schnarchen beendet werden.
Fragen Sie, ob sie / er Sie schon einmal (vielleicht sogar schon öfter) angestoßen und wachgerüttelt hat, weil Sie für längere Zeit nicht geatmet haben.
Aber keine Angst:  
Nicht jeder Mensch, der schnarcht, hat auch eine Schlafapnoe-Erkrankung. Es gibt harmloses Schnarchen, das nur geräuschbelästigend ist.
Außerdem haben viele Menschen nachts (zumeist kurze) Atemaussetzer.
Heutzutage geht man davon aus, dass bis zu 5 Atemaussetzer pro Stunde noch normal sind, 5 bis 10 Atemaussetzer pro Stunde einen Grenzbereich darstellen und erst ab 10 Atemaussetzern pro Stunde von einer Schlafapnoe gesprochen werden kann.
Neben Schnarchen und Atemaussetzern gibt es aber noch viele weitere Beschwerden, die zu einer Schlafapnoe gehören können.
Es kommen aber nur selten alle Beschwerden gleichzeitig vor.
Beantworten Sie daher folgende Fragen:
1. Fühlen Sie sich morgens unausgeschlafen, gegebenenfalls sogar „wie gerädert“? 

2. Haben Sie bereits beim Aufwachen Kopfschmerzen oder Schwindel? 

3. Werden Sie tagsüber gelegentlich so müde (oft um die Mittagszeit oder am frühen Nachmittag), dass Sie sogar einschlafen?

4. Machen Sie womöglich genau aus diesem Grunde bereits einen Mittagsschlaf? 

5. Merken Sie, dass Sie trotz ausreichendem Nachtschlaf tagsüber Konzentrationsschwierigkeiten haben?

6. Merken Sie, dass Sie trotz ausreichendem Nachtschlaf tagsüber körperlich und geistig vermindert leistungsfähig sind? 

7. Merken Sie, dass Sie trotz ausreichendem Nachtschlaf tagsüber gereizt und nervös sind?

8. Schlafen Sie regelmäßig beim Fernsehen oder beim Zeitunglesen ein? 

9. Sind Sie schon einmal beim Autofahren plötzlich weggenickt und dann erschrocken wieder aufgewacht (sogenannter Sekundenschlaf); oder sogar tatsächlich eingeschlafen und haben einen Unfall verursacht?

10. Haben Sie nachts oft Alpträume, wachen Sie nachts unvermittelt auf und haben Atemnot oder schwitzen Sie nachts sehr stark? 

11. Haben Sie Übergewicht? 

12. Bekommen Sie schlecht Luft durch die Nase? 

13. Benutzen Sie in der Nacht öfters Nasentropfen oder Spray? 

14. Haben Sie morgens beim Aufwachen oft einen trockenen, kratzenden Rachen. Auch häufiger eine zähe Verschleimung im Rachen?

15. Leiden Sie unter sexuellen Funktionsstörungen oder Impotenz? 

16. Sagen Ihnen Bekannte und Verwandte, Sie hätten sich in Ihrer Persönlichkeit geändert, seien nicht mehr aufgeschlossen und fröhlich, sondern depressiv?

17. Fühlen Sie sich nach abendlichem mäßigem Alkoholkonsum am nächsten Morgen besonders erschöpft und abgeschlagen? 

18.  Haben sie schon einmal nachts wie aus heiterem Himmel Herzrasen oder Herzstolpern gespürt? 

Diese oben genannten Beschwerden können Anzeichen einer Schlafapnoe sein!
Wenn Sie mehrere der oben gestellten Fragen mit „Ja“ beantwortet haben, dann könnten Sie an einem Schlafapnoe-Erkrankung leiden!
05. Warum ist Schlafapnoe gefährlich ?

1. Schlafapnoe führt in aller Regel zu direkten körperlichen Störungen:

  • Das Hauptproblem der Betroffenen ist die Tagesmüdigkeit sowie die durch die Müdigkeit ausgelöste Einschlafneigung.
    Dass ein Mensch noch niemals einen Film zu Ende gesehen hat, weil er immer schon vorher einschläft oder dass jemand regelmäßig zu spät nach Hause kommt, weil er auf seiner Busfahrt immer seine Haltestelle verschläft und erst an der Endstation vom Busfahrer aufgeweckt wird, ist noch eher amüsant.
    Oftmals tragisch sind die durch die Einschlafneigung und den sogenannten Sekundenschlaf ausgelösten Autounfälle (siehe Kapitel 19. „Autounfälle durch Schlafapnoe“) und Arbeitsunfälle.
     

    Man braucht  nur die einzelnen Berufsgruppen bei ihrer täglichen Arbeit zu sehen und sich dann vorzustellen, dass diejenige/derjenige für 10 bis 20 Sekunden (oder sogar länger) einschläft: 

    • den Piloten, der sich gerade im Landeanflug befindet.
    • den Fluglotsen, der im Flughafentower die Flugzeuge auf ihrem Kurs dirigiert.
    • den Kranführer, der in 30 Meter Höhe allein im Führerhaus sitzt und Stahlträger über die Köpfe der Bauarbeiter hinweg bewegt.
    • den  Schreiner, der mit der Kreissäge arbeitet.
    • den Neurochirurgen, der am Gehirn operiert.
  • Die Leistungsfähigkeit, insbesondere die Konzentrationsfähigkeit ist so eingeschränkt, dass man sich zu jeder Tätigkeit zwingen muß.
  • Durch die Unausgeschlafenheit entsteht eine Gereiztheit, die oftmals den Umgang mit den Mitmenschen erschwert.

 

2. Neben der geschilderten Tagesmüdigkeit und deren unmittelbaren Folgen führt Schlafapnoe zu Herz-Kreislauf- und anderen Erkrankungen:
  • Bei etwa 50 % der Schlafapnoe-Patienten entwickelt sich ein Bluthochdruck, es kann jedoch auch zu
  • Belastungsluftnot,
  • Herzschmerzen, einem Herzinfarkt bei bereits vorbestehender Herzkranzgefäßverengung,
  • Herzrhythmusstörungen sowie zu einem
  • Schlaganfall kommen.
  • Sexuelle Funktionsstörungen und Impotenz:
    Nicht nur Männer sind durch den Verlust der Erektionsfähigkeit beeinträchtigt, auch bei Frauen können sich sexuelle Funktionsstörungen in Form von eingeschränkter Liebeslust und verminderter Orgasmusfähigkeit einstellen.
06. Wie unterscheidet man harmloses Schnarchen von gefährlichem Schnarchen ?
Heutzutage weiß man, dass gewöhnliches Schnarchen und Schlafapnoe nicht zwei verschiedene Erkrankungen darstellen.
Es sind im Grunde genommen unterschiedliche Ausprägungen ein und derselben funktionellen Veränderung in den oberen Atemwegen.
Oftmals fängt die Erkrankung als gewöhnliches Schnarchen an. Dabei tritt nur eine geringe Einengung des Luftweges auf, zumeist durch ein Zurückfallen der Zunge im Liegen.
Durch die Vibration der Weichteilgewebe in den oberen Atembewegungen im Luftstrom, insbesondere des weichen Gaumens (Zäpfchen und Gaumensegel) entsteht das Schnarchgeräusch. Der Entstehungsmechanismus ist vergleichbar mit dem Knattern einer Fahne im Wind oder dem Summen zweier aufeinanderliegender Papierblätter durch welche hindurchgepustet wird. Leider entstehen beim Schnarchen Lautstärken von bis zu 90 dB, vergleichbar mit dem Start eines Motorrades.
Im Laufe der Jahre können die Weichteilgewebe des Gaumens an Elastizität verlieren. Begünstigt wird dieses durch, nur mikroskopisch erkennbare, kleine Verletzungen der Gewebe bedingt durch starke Vibrationen, die beim Schnarchen auftreten.  Es entwickelt sich dann, insbesondere während der Einatmung, eine Einengung des Luftweges während des Schafes, bis hin zu vollständigen Verschlüssen des Luftweges.
Bemerkbar macht sich dieses an einem zunehmend lauteren und unregelmäßigeren Schnarchen und dem Auftreten von Atemaussetzern, die manchmal von einem „explosionsartigen“ Schnarchen beendet werden.
Man sollte wissen:
Einige Menschen schnarchen ihr Leben lang, ohne dass Atemaussetzer in bedeutsamer Anzahl auftreten.
Andere Menschen schnarchen und entwickeln hierbei Verengungen der oberen Atemwege  auch ohne Atemaussetzer und Sauerstoffentsättigungen des Blutes. Durch die hervorgerufenen Weckreaktionen kann dennoch eine Tagesmüdigkeit resultieren und eine Behandlung sinnvoll sein.
Eine andere Gruppe von Schnarchern zeigt Atemaussetzer und Sauerstoffentsättigungen.
Diese treten aber in so geringer Anzahl auf und sind von so kurzer Dauer, dass sie, insbesondere wenn keine vermehrte Tagesmüdigkeit besteht und keine Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems vorliegen, nicht behandelt werden müssen.
Eine letzte Gruppe von Menschen allerdings schnarcht und entwickelt Atemaussetzer sowie Sauerstoffentsättigungen des Blutes, die unbedingt behandelt werden sollten, da sie sowohl zu direkten körperlichen Störungen wie Tagesmüdigkeit und Einschlafneigung führen als auch über die Jahre eine erhebliche Herz-Kreislauf-Belastung darstellen.
Ob sie an einem gewöhnlichen Schnarchen oder einem gefährlichen Schlafapnoe-Syndrom leiden, kann nur der Fachmann entscheiden!
Wenn sie einige der Fragen in Kapitel 5. „Wie stelle ich fest, ob auch ich an Schlafapnoe leide?“ mit „Ja“ beantwortet haben, dann könnte auch bei Ihnen eine Schlafapnoe vorliegen.
Sprechen Sie Ihren Hausarzt darauf an und lassen Sie sich gegebenenfalls zu einem Spezialisten überweisen.
07. Wie wirkt sich Alkohol auf das Schnarchen aus?
Fast jeder kennt das Problem:
Nach einem feucht-fröhlichen Abend mit viel Alkohol beschwert sich der Partner am nächsten Morgen: „Du hast furchtbar geschnarcht, das machst Du doch sonst nie.“
Dass ein Mensch nach Alkoholkonsum schnarcht, auch wenn er sonst ein ruhiger Schläfer ist, hat verschiedene Ursachen.
Unter anderem führt Alkohol zu einer vermehrten Erschlaffung aller Muskeln und eben auch der Schlundmuskulatur mit dem beschriebenen Problem der Verengung des Luftweges.
So kann ein Mensch, der normalerweise nicht schnarcht, weil er während des Schlafes ausreichend weite Luftwege hat, durch eine Alkohol-bedingte leichte Verengung seiner Luftwege zum Schnarcher werden.
Somit kann aber auch bei einem Menschen mit gewöhnlichem, ungefährlichem Schnarchen, der auch ohne Alkoholkonsum schon eine leichte Verengung seiner Luftwege aufweist, durch Alkoholkonsum eine höhergradige Verengung seiner Luftwege auftreten und das ungefährliche Schnarchen in ein Schnarchen mit Atemwegsverschlüssen und Atemaussetzern übergehen.
Hinzu kommt, dass unter Alkoholeinfluss der Atemantrieb im Gehirn vermindert ist und die Alarmreaktion verspätet einsetzt. Dadurch treten deutlich mehr und deutlich längere Atemaussetzer auf.
Man benutzt diese Veränderungen auch zur Diagnostik der Schlafapnoe:Sollten sich in einer Messnacht nur wenige Atemaussetzer zeigen, obwohl ein Patient über erhebliche Beschwerden wie Schlafstörungen oder Tagesmüdigkeit klagt, kann eine zweite Meßnacht mit sogenannter „Alkohol-Provokation“ durchgeführt werden.
Dazu trinkt der Patient die Mengen an Alkohol, die er normalerweise abends zu sich nimmt, z.B. zwei Flaschen Bier oder eine halbe Flasche Wein.

Bei Patienten, die regelmäßig abends Alkohol trinken, reicht in manchen Fällen das Weglassen des Alkohols aus, die Schlafstörungen oder die Tagesmüdigkeit zu beheben.
08. Was hat Schnarchen bzw. Schlafapnoe mit Übergewicht zu tun ?
Übergewicht ist ein Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen, aber auch für eine Schlafapnoe-Erkrankung.
Klassischerweise ist der Schlafapnoe-Patient übergewichtig. Trotzdem gibt es auch schlanke Patienten mit Schlafapnoe.
Bei Schlafapnoe-Patienten mit Übergewicht jeglichen Schweregrades reicht manchmal schon allein eine deutliche Gewichtsabnahme aus, die Schlafstörungen oder die Tagesmüdigkeit zu beheben.
Auf jeden Fall aber ist durch Studien belegt, dass durch eine Gewichtsabnahme im Durchschnitt der untersuchten Patienten die Anzahl der Atemaussetzer absank, die Beschwerden über Tage besser wurden und die Rate an begleitenden Erkrankungen geringer wurde (siehe Kapitel 17. „Wie behandelt man Schlafapnoe“).
Die positive Wirkung der Gewichtsabnahme stellt man sich so vor, dass durch den Abbau von Fettgewebe im Bereich des Gaumens und der Zunge, durch die gleichzeitige Besserung der Muskelfunktion der Schlundmuskeln und der Atemmuskulatur die Luftwege im Rachen wieder geweitet werden. Auch wird bei Abnahme des Bauchfettes die Lunge weniger vom Bauchraum her „aufgestaucht“  und damit auch die in Verbindung stehenden oberen Atemwege günstiger gestrafft.

09. Was hat Schnarchen mit Schlafmitteln zu tun ?
Schlaf- und Beruhigungsmittel und auch stimmungsaufhellende Medikamente können eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit auslösen.
Sie können aber -ähnlich wie Alkohol- unabhängig von der Dosis auch das Schnarchen bzw. die Atemaussetzer verstärken. Dadurch kann bei einem gewöhnlichen Schnarcher, der schon eine leichte Verengung seiner Luftwege aufweist, das ungefährliche Schnarchen in ein Schnarchen mit Atemwegsverschlüssen und Atemaussetzern übergehen und bei einem Schlafapnoe-Patienten aus einer leichtgradigen eine mittel- bis schwergradige Schlafapnoe-Erkrankung werden.
Bei Patienten, die zusätzlich an Lungenerkrankungen wie einer chronischen Bronchitis, einem Lungenemphysem oder einem Asthma bronchiale leiden, verschlechtern sich Atmung und Schlafapnoen nach Einnahme dieser Medikamente noch deutlicher als bei lungengesunden Patienten.
Aus diesem Grund ist es wichtig, bei Tagesmüdigkeit oder bereits gesichertem Schlafapnoe-Syndrom solche Medikamente konsequent abzusetzen (wenn das medizinisch vertretbar ist).
10. Wie unterscheidet man „gesunden“ Schlaf von „gestörtem“ Schlaf ?
Der Schlaf fasziniert seit Jahrhunderten den Menschen.
Astronomen, Schriftsteller, Mediziner, Psychologen und viele andere haben sich mit dem Phänomen „Schlaf“ und dessen Bedeutung für den Menschen beschäftigt.
Sie wissen sicher,
  • dass der Mensch einem 24-stündigen Schlaf-Wach-Rhythmus mit einem Schlafbedürfnis nachts und entsprechender Wachheit am Tage unterliegt.

Aber wissen Sie auch,

  • dass die Steuerung dieses Schlaf-Wach-Rhythmus sich in einem kleinen Bereich des Gehirns, dem Hypothalamus und dem unteren Stammhirn, befindet?
  • dass es nicht nur einen Schlafstoff im Blut gibt, sondern Schlaf- und Wachzustände durch mehrere Stoffe im Blut zusammen mit der Aktivierung verschiedener Nervenbahnen ausgelöst werden?
  • dass, wird die Hell-Dunkel-Rhythmik aufgehoben (zum Beispiel indem man über mehrere Tage in einem künstlich beleuchteten Raum ohne Tageslicht und andere äußere Zeitgeber lebt), der Mensch in einen 25-Stunden-Rhythmus verfällt?
    Die „innere Uhr“ hat also eigentlich keinen 24-stündigen, sondern einen 25-stündigen Tag, wird aber durch äußere Zeitgeber auf 24 h synchronisiert.
  • dass außer diesem Schlaf-Wach-Rhythmus noch weitere regelmäßig wechselnde Phasen im Schlaf existieren?
    Die ersten Hirnstrom-Messungen (EEG = Elektro-Enzephalo-Gramm) zur Untersuchung des Schlafes fanden in den späten 20er Jahren statt, in den Jahren danach wurden zusätzlich die Augenbewegungen, die Muskelbewegungen, der Herzschlag usw. während des Schlafes aufgezeichnet.
    1953 wurde der sogenannte REM-Schlaf entdeckt, der Schlaf mit den raschen Augenbewegungen (R E M = Rapid Eye Movement), der weitgehend dem sogenannten Traumschlaf entspricht.
    1955 wurden erstmals Schlafzyklen beschrieben.
    Der Schlaf läuft also nicht gleichförmig über 6 bis 8 Stunden ab, sondern kann in mehrere, immer wiederkehrende  Phasen von Leichtschlaf- Tiefschlaf- Traumschlaf-  Leichtschlaf- Tiefschlaf- Traumschlaf …  unterteilt werden.
    Eine solche Phase (Leichtschlaf- Tiefschlaf- Traumschlaf) dauert in der Regel 90 Minuten und wiederholt sich 4 bis 5 mal in einer Nacht.
  • dass in der ersten Nachthälfte mehr Tiefschlaf vorherrscht (weswegen uns unsere Großeltern schon erzählten, dass der Schlaf vor Mitternacht der erholsamste Schlaf sei),
    während in der zweiten Nachthälfte der Traumschlafanteil zunimmt (weswegen man sich oftmals besser an seine Träume erinnern kann, wenn man frühmorgens aus dem Schlaf gerissen wird, als wenn man spätabends noch einmal aufwacht)?
  • dass bei Neugeborenen der Traumschlafanteil am Gesamtschlaf noch > 50 % beträgt, beim Erwachsenen aber nur noch 20 bis 25 %,
    und der Tiefschlafanteil bei einem jungen Menschen bei ~20 % liegt, bei einem  60-Jährigen bei ~5 % und beim noch älteren Menschen manchmal völlig ausbleibt?
  • dass sich nicht nur Traumschlaf und Nicht-Traumschlaf (also Leichtschlaf und Tiefschlaf zusammengenommen) abwechseln, sondern während des normalen gesunden Schlafes auch regelmäßige Veränderungen des Blutdrucks, der Atemfrequenz, der Körpertemperatur, der Muskelspannung sowie des Erektionszustandes auftreten?
  • dass es im Schlaflabor eigens eine nächtliche Registrierung der Peniserektionen (die sogenannte „Phallographie“) mit der Messung von Penisumfang und Penissteifheit gibt?
    Diese Messung wird allerdings nur selten durchgeführt, zumeist wenn Potenzstörungen bestehen. Bei normalem Schlaf (ausreichender Tiefschlaf- und Traumschlafanteil) gilt eine geschwächte oder fehlende Erektion während des Schlafes als Beleg für eine körperliche Störung und schließt eine seelische Störung weitgehend aus, da während des Schlafes psychische Faktoren (z.B. Versagensängste) keine Rolle spielen.
    Eine signifikante Erektionsschwäche liegt vor,
  • wenn die längste vollständige Umfangserhöhung weniger als 5 Minuten dauert
  • wenn die größte Umfangszunahme weniger als 4 Millimeter beträgt
  • wenn die Penissteifheit (gemessen als die Kraft, die an der Penisspitze aufgewendet werden muß, um den Penisschaft um 30° zu beugen) weniger als 500 Gramm beträgt.

Potenzstörungen, die durch eine Schlafapnoe-Erkrankung verursacht sind, können unter der Schlafapnoe-Therapie verschwinden.

Schlaf läßt sich mittels einer Messung der Hirnströme (EEG = Elektro-Enzephalo-Graphie) anhand der unterschiedlichen Hirnstrom-Wellen in verschiedene Schlafstadien einteilen.
Um auch den Traumschlaf und die Wachzustände besser abgrenzen zu können, misst man zusätzlich die Augenbewegungen und die Muskelspannung (mittels Elektroden wie beim EEG)
Man unterscheidet nach einer seit 1968 gültigen Klassifikation von Rechtschaffen und Kales 4 Nicht-Traumschlafstadien (2 Leichtschlafstadien und 2 Tiefschlafstadien), den Traumschlaf und den Wachzustand.

Bei normalem, gesunden Schlaf verteilt sich die Gesamtschlafzeit bei einem jungen Erwachsenen auf

  • < 5 %   Wachzustand
  • 20 – 25 %  REM-Schlaf (Traumschlaf)
  • 5 %  Schlafstadium 1 (Leichtschlaf)
  • 45 – 50 % Schlafstadium 2 (Leichtschlaf)
  • 15 – 25 % Schlafstadium 3 (Tiefschlaf).

Die Anzahl von Weckreaktionen aus dem Schlaf heraus (sogenannte „Arousals“) liegt unter 15 pro Stunde.

Bei gestörtem Schlaf
  • vermindert sich in erster Linie der Tiefschlafanteil (Schlafstadium 3),
  • vermindert sich auch der REM-Schlaf (Traumschlaf-)anteil,
  • nimmt die Anzahl der Weckreaktionen deutlich zu (> 15 pro Stunde).
11. An wen kann ich mich bei Schlafstörungen wenden ?
Sie sollten sich zuerst an Ihren Hausarzt wenden.
Dieser wird Sie, wenn er aufgrund Ihrer Beschwerden ein Schlafapnoe-Syndrom oder eine andere sogenannte „schlafbezogene Atemstörung“ vermutet (siehe dazu auch das Kapitel 18. “ Welche anderen Krankheiten außer einem Schlafapnoe-Syndrom kommen noch als Ursache von Schlafstörungen in Frage?“), zu einem Spezialisten überweisen.

Spezialisten sind

  • alle niedergelassenen Ärzte mit der Zusatzbezeichnung „Schlafmedizin“ sowie die meisten der
  • Lungenfachärzte
  • Internisten mit der Zusatzbezeichnung Lungen- und Bronchialheilkunde
  • HNO-Ärzte
Gelegentlich bieten auch
  • Internisten und
  • Internisten mit der Zusatzbezeichnung „Kardiologie“
  • Sowie Neurologen, Nervenärzte und Psychiater

die Möglichkeit zur Schlafapnoe-Diagnostik an.

Diese Ärzte führen ein sogenanntes „Schlafapnoe-Monitoring“ durch, häufig auch als „Schlafapnoe-Monitoring“ bzw.  „Polygraphie„bezeichnet (siehe Kapitel 13. „Welche Untersuchungen sind erforderlich, um eine Schlafapnoe festzustellen?).

Zeigt sich in dieser Untersuchung ein krankhafter Befund, so wird der Patient in der Regel an ein Schlaflabor überwiesen.
Derzeit sind die meisten dieser Schlaflabore an ein Krankenhaus angeschlossen (zumeist in Lungenfachkliniken). Es ist daher ein stationärer Krankenhaus-aufenthalt von 2 bis 3 Tagen für die weitere Diagnostik und Therapie erforderlich. Die einzelnen Schlaflabore in Deutschland haben Wartezeiten in Abhängigkeit der Dringlichkeit der Untersuchung zwischen 1 Monat und 3 Jahren!
Eine Liste der von der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin (DGSM) anerkannten Schlaflabore finden Sie unter dem Kapitel 21. „Wo kann die große Schlaflabor-Untersuchung (Polysomnographie) durchgeführt werden ?“
Im Schlaflabor wird dann die „große Schlaflabor-Untersuchung“, die sogenannte Polysomnographie“ (von „somnos“ = schlafen) durchgeführt und gegebenenfalls eine Therapie eingeleitet (siehe Kapitel 13 „Welche Untersuchungen sind erforderlich, um Schlafapnoe?“ und Kapitel 17. „Wie behandelt man Schlafapnoe?“).
In einzelnen Fällen, insbesondere wenn Ihre Beschwerden sehr ausgeprägt sind, wird der behandelnde Arzt Sie trotz einer unauffälligen Voruntersuchung in ein Schlaflabor überweisen, um der Ursache Ihrer Schlafstörungen auf den Grund zu gehen.
12. Welche Untersuchungen sind erforderlich, um eine Schlafapnoe festzustellen ?
I. Befragung
Zunächst wird auch der Spezialist eine gezielte Befragung durchführen, um anhand Ihrer Beschwerden zum einen auf die mögliche Erkrankung zu schließen (da es viele verschiedene Erkrankungen gibt, die zu Schlafstörungen führen) und zum anderen auch die Schwere Ihrer Erkrankung einzuschätzen.

Denn ob man eine Schlafstörung behandeln muss, hängt unter anderem vom Ausmaß der Beeintächtigung ab. Es läßt sich leicht vorstellen, dass der Arzt einen Patienten mit nur relativ wenigen Atemaussetzern in der Nacht, der aber tagsüber kaum noch leistungsfähig ist, weil er ständig einschläft, behandeln wird, während er einen anderen Patienten mit einer größeren Anzahl von Atemaussetzern, der überhaupt keine Beschwerden außer seinem Schnarchen hat, nicht behandeln wird.
Die Notwendigkeit einer Behandlung hängt also nicht allein von der Anzahl der Atemaussetzer pro Nacht ab, sondern auch von anderen Faktoren (siehe Kapitel 17. „Wann behandelt man Schlafapnoe?“).
Deshalb gehört die Therapie-Entscheidung in die Hände von erfahrenen Spezialisten.

II Schlaf-Fragebögen
Als zweiter Schritt wird oftmals ein spezieller Schlaf-Fragebogen verteilt, anhand dessen der Patient seine Beschwerden auf einer Skala einordnen muss.So ein Fragebogen sieht zum Beispiel folgendermaßen aus:

Beispiel A: 

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,
zur Abklärung Ihres Befundes ist es erforderlich, die folgenden Fragen vollständig zu beantworten, indem Sie das jeweils zutreffende Kästchen ankreuzen. Bei den Fragen zum Schlafverhalten bitten wir Sie, sich auf den Zeitraum der vergangenen 4 Wochen zu beziehen.
1. Sind Sie tagsüber müde?
    1             2             3             4             5
nie       selten  gelegentlich  oft       sehr oft
2. Schlafen Sie tagsüber spontan ein?
    1             2             3             4             5
nie       selten  gelegentlich  oft       sehr oft
3. Fällt es Ihnen schwer, lange konzentriert zu bleiben?
    1             2             3             4             5
nie       selten  gelegentlich  oft       sehr oft
4. Kommt es vor, dass Sie 

     – abends schlecht einschlafen?
    1             2             3             4             5
nie       selten  gelegentlich  oft       sehr oft
     – mitten in der Nacht aufwachen?
    1             2             3             4             5
nie       selten  gelegentlich  oft       sehr oft
     – früher als gewöhnlich aufwachen, ohne wieder einzuschlafen?
    1             2             3             4             5
nie       selten  gelegentlich  oft       sehr oft
5. Spüren Sie nachts eine oder mehrere der folgenden Beschwerden? (Mehrfachnennungen möglich) 

     – Herzstolpern, Herzrasen

    1             2             3             4             5
nie       selten  gelegentlich  oft       sehr oft

     – Nassgeschwitzt sein

    1             2             3             4             5
nie       selten  gelegentlich  oft       sehr oft

     – Atemnot/Erstickungsgefühle

    1             2             3             4             5
nie       selten  gelegentlich  oft       sehr oft

     – Kopfschmerzen

    1             2             3             4             5
nie       selten  gelegentlich  oft       sehr oft

     – längere Hustenanfälle

    1             2             3             4             5
nie       selten  gelegentlich  oft       sehr oft

     – lang anhaltender Druck oder Beklemmung im Brustraum oder Oberbauch

    1             2             3             4             5
nie       selten  gelegentlich  oft       sehr oft

6. Müssen Sie nachts Wasser lassen?

    1             2             3             4             5
nie       selten  gelegentlich  oft       sehr oft

7. Sind abends Ihre Beine angeschwollen?

    1             2             3             4             5
nie       selten  gelegentlich  oft       sehr oft

8. Sind Sie durch Luftnot in Ihrer Belastbarkeit eingeschränkt?

 

     – wenn Sie schwere körperliche Arbeit verrichten?

    1             2             3             4             5
nie       selten  gelegentlich  oft       sehr oft

     – wenn Sie leichte körperliche Arbeit verrichten?

    1             2             3             4             5
nie       selten  gelegentlich  oft       sehr oft

     – wenn Sie keinerlei körperliche Arbeit verrichten?

    1             2             3             4             5
nie       selten  gelegentlich  oft       sehr oft

9. Hat Ihr Partner Atemstillstände bei Ihnen bemerkt?

    1             2             3             4             5
nie       selten  gelegentlich  oft       sehr oft
10.  Schnarchen Sie laut und unregelmäßig?
    1             2             3             4             5
nie       selten  gelegentlich  oft       sehr oft
 11.  Erwachen Sie morgens frisch und ausgeruht?
    1             2             3             4             5
nie       selten  gelegentlich  oft       sehr oft
12. Nehmen Sie Schlafmittel?
    1             2             3             4             5
nie       selten  gelegentlich  oft       sehr oft
Beispiel B:
Epworth Schläfrigkeitsskala 

Liebe Patientin, lieber Patient!
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie während der folgenden Tätigkeiten einschlafen oder einnicken? Hiermit ist gemeint, dass Sie sich nicht nur müde oder erschöpft fühlen. Die Angaben beziehen sich auf die letzten zurückliegenden Tage. Selbst wenn Sie diese Tätigkeiten in letzter Zeit nicht durchgeführt haben, überlegen Sie sich bitte, wie sie sich ausgewirkt hätten. Benutzen Sie bitte folgende Einteilung,  indem Sie die am besten passende Zahl ankreuzen. 

 0 = würde nie dabei einnicken oder einschlafen
1 = geringe Wahrscheinlichkeit, dabei einzunicken
2 = mittelmäßige Wahrscheinlichkeit, dabei einzunicken
3 = hohe Wahrscheinlichkeit, dabei einzunicken
 

Tätigkeit oder Situation

 Wahrscheinlichkeit einzunicken
Sitzen oder Lesen

      0         1         2         3       

Fernsehen

      0         1         2         3       

Ruhig Sitzen in der Öffentlichkeit(Theater, Sitzung, Wartezimmer)

      0         1         2         3       

Eine Stunde Mitfahrt im Auto ohne Pause

      0         1         2         3       

Liegen am Nachmittag um auszuruhen, wenn die Umstände es erlauben

      0         1         2         3       

Sitzen und dabei mit jemandem Sprechen

      0         1         2         3       

Ruhig Sitzen nach einem Essen ohne Alkohol

      0         1         2         3       

Im Auto bei einem mehrminütigen Halt im Verkehr

      0         1         2         3       


III Schlaftagebuch
In Schlaf-Tagebücher trägt der Patient zu einem vorgegebenen Zeitpunkt von 1 bis 4 Wochen täglich seine Ruhezeiten, Bettzeiten und empfundene Schlafzeiten ein.
Darüber hinaus muss registriert werden, wie der Patient den Tag und die Zeit vor dem Zubettgehen verbracht hat (Arbeiten, Nikotin- und Alkoholgenuß, Medikamenteneinnahme, Sex, Geräuschbelästigung usw.).
Weiterhin soll registriert werden, wie oft und wie lange der Patient seiner Meinung wach lag und was er getan hat, wenn er nicht einschlafen konnte.

Aus diesen Aufzeichnungen läßt sich erkennen

  • welcher Art die Schlafstörung ist,
  • welchen Umfang die Schlafstörung hat,
  • welche Änderungen des Schlafes in Abhängigkeit von den Tätigkeiten am Tage auftreten,
  • welche Änderungen des Schlafes in Abhängigkeit von den Umwelteinflüssen auftreten.
IV Erhebung der Vorgeschichte
Auch in der Schlafmedizin gehören die sorgfältige Erhebung der übrigen Erkrankungen eines Patienten sowie eine allgemeine körperlich-klinische Untersuchung dazu.
Einige internistische Krankheitsbilder (zum Beispiel Schilddrüsen-funktionsstörungen, Störungen der Mineralstoffe im Körper (z.B. Magnesiummangel), Herzschwäche, Schlaganfälle) führen zu Schlafstörungen (siehe Kapitel 18. „Welche anderen Krankheiten außer einem Schlafapnoe-Syndrom kommen noch als Ursache von Schlafstörungen in Frage ?“).

V Schlafapnoe-Monitoring (sogenannte „Polygraphie“, häufig „Schlafapnoe-Screening“)
Bei der Polygraphie bekommt der Patient ein etwa Handy-großes Gerät mit nach Hause, welches er entsprechend der vorherigen ärztlichen Anleitung vor dem Zubettgehen selbst anlegt und am nächsten Morgen zurück in die Praxis bringt.
Dieses Gerät misst je nach Hersteller unterschiedlich viele Körperfunktionen (Parameter), sollte aber mindestens folgende verschiedene Parameter aufzeichnen können:
  1. Atemfluss (mittels Thermistor=Temperaturfühler oder alternativ den etwas aussagekräftigeren Atemstaudruck (mittels Plastikkanüle, welche vor den Nasenöffnungen plaziert wird  und eine semiquantitative Bestimmung der Atemflussmenge zuläßt)
  2. Sauerstoffsättigung im Blut (mittels Pulsoxymeter am Finger)
  3. Brustkorbbewegung (mittels Impedanzmessung über EKG-Elektroden, Dehnungsmessgurte oder sog. Piezosensoren)
  4. Herzfrequenz (mittels Pulsoxymeter)
  5. Körperlage (mittels Lagesensor)
  6. Schnarchen (mittels Mikrofon)

Einige Geräte enthalten aber auch die Möglichkeit weitere Signale wie Beinbewegungen, Elektrokardiogramm (EKG) oder Elektroenzephalogramm (EEG) mitaufzuzeichen. Damit ist eine der großen Polysomnograpie im Schlaflabor vergleichbare Messung auch zu Hause am Patientenbett möglich.

Der Arzt kann so am nächsten Morgen sämtliche Daten ausdrucken und Schnarchen, Atemaussetzer, Sauerstoffentsättigungen des Blutes, die Körperlage sowie nächtliche Herzrhythmusstörungen feststellen.

Eine Messung der Hirnströme (EEG) und somit eine Messung der Schlafqualität ist jedoch derzeit nur mit wenigen Geräten möglich.
Allerdings gibt es seit wenigen Jahren ein Zusatzgerät („QUISI“), welches zur Hirnstrommessung zu Hause genutzt und mit anderen Systemen kombiniert werden kann. Dieses findet aufgrund der fehlenden Abrechnungsmöglichkeit und der eingeschränkten Möglichkeit zur Datenkontrolle nur weing Anwendung, so dass die Hirnstrommessung zur Schlafstadienbestimmung heutzutage immer noch fast ausschließlich im Schlaflabor stattfindet.

Zeigt sich in der Polygraphie ein krankhafter Befund, so wird der Patient in der Regel an ein Schlaflabor überwiesen, in dem dann eine große Schlaflabor-Untersuchung (sogenannte „Polysomnographie“) durchgeführt wird.

VI Große Schlaflabor-Untersuchung (sogenannte „Polysomnographie“)
Das Schlaflabor ist ein hochtechnisierter Ort.
Der Patient wird dort von den Schlaflabormitarbeitern aufwendig verkabelt (alleine die Verkabelung dauert zwischen 30 und 45 Minuten pro Patient) und während der gesamten Nacht direkt oder über eine Videokamera aus einem Kontrollraum beobachtet.
 

Die Anschaffung eines Schlaflabormessplatzes für einen einzigen Patienten kostet je nach Ausrüstung zwischen  25.000.- und 100.000.- €.Gemessen wird in der Regel von ca. 22.00 Uhr bis ca. 6.00 Uhr morgens.

Schlaflabore haben zwischen 2 und 30 Meßplätze und entsprechend 1 bis 6 Mitarbeiter in einer Nachtschicht. Die Durchschnittsgröße eines Schlaflabors in Deutschland lag im Jahr 2001 bei 6 Plätzen.

Gemessen werden üblicherweise mindestens 11 verschiedene Körperfunktionen (Parameter):
  1. Atemfluss (mittels Thermistor, Staudruckmessung oder Pneumotachograph)
  2. Sauerstoffsättigung (mittels Pulsoxymeter)
  3. Brustkorbbewegung (mittels Dehnungsmessgurt)
  4. Bauchbewegung (mittels Dehnungsmessgurt)
  5. Herzfrequenz (mittels EKG)
  6. Körperlage (mittels Lagesensor)
  7. Schnarchen (mittels Mikrophon)
  8. Hirnströme (mittels EEG-Elekroden)
  9. Augenbewegungen (mittels Elektrookkulogramm, EOG)
  10. Muskelanspannung (mittels Kinn-Elekromyogramm, EMG)
  11. Beinbewegungen (mittels Bein-Elektromyogramm, EMG)     
Mit Hilfe dieser Daten, die alle vom Computer aufgezeichnet werden, lassen sich Schlafstörungen wie auch Atemstörungen sehr gut feststellen.
Wenn eine Therapie erforderlich ist, wird diese im Regelfall in der folgenden Nacht eingeleitet. Hierbei wird erneut die gesamte Verkabelung durchgeführt, um direkt den Erfolg der Therapie z. B. durch Normalisierung der Schlafstruktur, überprüfen zu können (siehe Kapitel 18. „Wie behandelt man ein Schlafapnoe-Syndrom?“).


VII Testungen des Wachheitsgrades (Vigilanz-Teste)
Um festzustellen, wie schläfrig ein Patient tagsüber ist, können verschiedene Testungen angewendet werden, bei denen der Patient tagsüber an die Hirnstrommessung angeschlossen wird. So können im Anschluss an eine Meßnacht im Schlaflabor folgende Testungen erfolgen:
  1. MSLT (Multipler Schlaf-Latenz-Test) 

    Der Patient legt sich ca. 1,5 -3 Stunden nach dem morgendlichen Aufstehen in einen geräuschlosen, abgedunkelten Raum, wird verkabelt und aufgefordert, dann zu schlafen.
    Die Messung wird beendet, wenn der Patient 20 Minuten lang nicht eingeschlafen ist, spätestens aber 15 Minuten nach Einschlafbeginn.
    Es werden 4-5 Messungen im Abstand von 2 Stunden durchgeführt.
     

    Normalerweise schläft ein Mensch nach 10 bis 20 Minuten in einer solchen reizarmen Umgebung ein.
    Auffällig ist eine durchschnittliche Einschlafzeit innerhalb der ersten 10 Minuten,  krankhaft kann eine durchnittliche Einschlafzeit von weniger als 5 Minuten sein.
    Auch zeigt dieser Test ob nach Einschlafbeginn frühe REM-Schlafphasen auftreten. Diese kommen gehäuft bei der Narkolepsie, einer besonderen Schlafstörung aus dem epileptischen Formenkreis vor.
     

  2. MWT (Maintenance of Wakefulness Test) 

    Der Patient setzt sich halb zurückgelehnt in einen bequemen Sessel in einen geräuschfreien, abgedunkelten Raum, wird verkabelt und  dann aufgefordert, wach zu bleiben.
    Die Messung wird beendet, sobald der Patient eingeschlafen ist, spätestens aber nach 40 Minuten.
    Es werden 4 Messungen im Abstand von 2 Stunden durchgeführt.
     

    Normalerweise schläft ein Mensch trotz einer solchen reizarmen Umgebung nicht ein, wenn er unbedingt wach bleiben will.
    Auffällig ist ein Einschlafen innerhalb von 20 Minuten, je früher, desto ausgeprägter ist der Schlafdrang und somit die Erkrankung.
     

  3. Fahrsimulator 

    Diese Testung ist insbesondere zur Beurteilung der Schläfrigkeit bei Berufskraftfahrern sinnvoll. Hierbei versucht der Patient in einem abgedunkelten Raum, sitzend an einem Autofahrsimulator, den virtuellen Straßenverlauf auf einem Bildschirm zu verfolgen und ein virtuelles Auto mittels Lenkrad auf der Fahrbahn zu halten. Unregelmäßig auftretende Signale müssen beantwordet werden. Der Computer registriert hierbei die Reaktionszeiten, die Fehlerrate und die Fahrbahnabweichungen. Die Untersuchung wird auch zur Begutachtung der Fahrtauglichkeit von Kraftfahrern mit Schlafstörungen genutzt.
     

  4. Aufmerksamkeits- und  Konzentrationsteste 

    Es existieren unterschiedliche psychologische Testverfahren (z.B. computergestützt oder in Fragebogenform ) mit deren Hilfe Aussagen zu Aufmerksamkeitsleistungen oder Konzentrationsleistungen getroffen werden können.


VIII  zusätzliche Untersuchungen
Bei bestimmten schlafmedizinischen Fragestellungen (z.B. zur Epilepsie-Diagnostik) sollten Patienten in einer neurologischen Abteilung mit neurologisch orientiertem Schlaflabor vorgestellt werden, um dort eine spezielle Diagnostik (z. B. 24 Stunden-EEG, Schlafentzugs-EEG) zu erhalten.
13. Was hat der Hals-Nasen-Ohren-Arzt mit einer Schlafapnoe-Erkrankung zu tun?
Nasenraum, Mundraum und Rachenraum gehören zum Fachgebiet der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
HNO-Ärzte sind demzufolge die Spezialisten für den vorderen Teil der Atemwege.
 

Durch Verengungen der oberen Atemwege (beispielsweise  Nasenscheidewandverkrümmungen, vergrößerte Nasenmuscheln, vergrößerte Gaumenmandeln, Polypen und bei Kindern vergrößerte Rachenmandeln=Adenoide) kann es zur Nasenatmungsbehinderung und zur Mundatmung kommen und somit wiederum Schnarchen ausgelöst oder zumindest begünstigt werden. In Verbindung mit vergrößerten Gaumenmandeln, tiefhängendem schlaffen weichen Gaumen oder einem vergrößerten Zungengrund kommt es leicht zu Atemproblemen und nachfolgend auch zu Schlafstörungen.
Bei Kindern läßt sich die gesamte Schlafapnoe-Symptomatik oftmals durch eine Entfernung der Rachen- und/oder der Gaumenmandeln (die sogenannte Adenotomie bzw. Tonsillektomie) vollständig beseitigen (siehe Kapitel 20. „Gibt es Schlafapnoe auch bei Kindern?“)
 

Besteht daher der Verdacht auf eine Schlafapnoe oder ist gar eine Masken-Therapie (CPAP-Therapie) vorgesehen, sollte zuvor unbedingt eine Hals-Nasen-Ohren-ärztliche Untersuchung erfolgen,  bei der die Luftdurchgängigkeit der oberen Atemwege und deren mögliche Behinderung ausgeschlossen wird. Die Luftdurchgängigkeit der Nase kann mit einer Messung (Rhinomanometrie) sehr exakt bestimmt werden und anhand der ermittelten Messwerte können Rückschlüsse auf die nächtliche Nasenatmung, bzw. deren Einschränkung gemacht werden. Dies ist auch ein wichtiger Parameter für den Erfolg einer bevorstehenden Therapie einer schwergradigeren Schlafapnoe mit der Maskenüberdruckbeatmung.
Ist der Atemweg durch ein Hindernis eingeengt, funktioniert die Masken-Therapie nicht (siehe Kapitel 17. „Wie behandelt man Schlafapnoe?“).
14. Kann man Schnarchen behandeln ?
Schnarchen ist seit Menschengedenken wohl ein Problem.
Alles, was die Atemwege erweitert und die Verengung der Atemwege vermindert, kann das Schnarchen in dem einen oder anderen Fall bessern.
Dazu gehören
  • Gewichtsabnahme
  • Alkoholverzicht
  • Schlafmittelverzicht usw.
  • HNO-ärztlich Operationen
Auf diese Maßnahmen wird im Kapitel 17. „Wie behandelt man Schlafapnoe?“ ausführlich eingegangen. 

Bislang gibt es noch keine Pille gegen das Schnarchen! 

Wer diese erfindet, braucht sicherlich nie mehr zu arbeiten; und seine Kinder und Enkelkinder auch nicht.
Im medizinischen Bereich der Antischnarch-Prothesen wurden viele Versuche unternommen.
Es gibt gebiss-ähnliche Prothesen, die man zur Nacht anlegt und die mit einem Stab die Zunge herunterdrücken und so versuchen, ein Zurückfallen der Zunge während des Schlafes zu verhindern. Diese Prothesen kosten etwa mehrere hundert Euro und besitzen nach wissenschaftlicher Studienlage nur bei etwa 15% der Schlafapnoe-Patienten ausreichende Wirksamkeit.
Es gibt speziell zahnärztlich angepasste Prothesen, die den Unterkiefer etwas nach vorne ziehen und dadurch den Rachenraum erweitern. Diese Prothesen sind z.T. leider unbequem zu tragen und verursachen häufig vermehrten Speichelfluß, Druckschmerzen an den Zähnen, am Zahnfleisch sowie Überbeanspruchungen des Kiefergelenkes. Sie kosten bis zu 1.000 €. Vor Anpassung ist daher eine kieferorthopädische/zahnärztliche Vorstellung erforderlich, um mittels besonderer Röntgentechniken pathologische Veränderungen des Kiefergelenks auszuschließen und einen Ausgangsbefund für  Vergleiche bei späteren Veränderungen am Kiefergelenk zu bekommen.
Es besteht die Möglichkeit über die Anpassung von termolabilen Kunststoff-Testprothesen kostengünstiger (ca. 40 € Materialkosten) den Effekt derartiger Unterkiefer-Protrusionsschienen zu überprüfen. Besonders Patienten mit einer Rückverlagerung des Unterkiefers (Retrognathie) sind für dieses Verfahren geeignet. Der Therapieerfolg sollte mittels polygraphischer oder polysomnographischer Messung ambulant oder im Schlaflabor überprüft werden.
Darüber hinaus gibt es noch jede Menge weiterer Modelle. Insgesamt sind die Erfolge mit Prothesen jedoch noch unbefriedigend, so dass diese Therapie nicht als Verfahren der ersten Wahl anzusehen ist. Bei einigen Patienten tritt unter der Prothese eine Besserung des Schnarchens ein.
Zu den operativen Möglichkeiten wird im Kapitel 17. „Wie behandelt man Schlafapnoe?“ ausführlich Stellung genommen.
Zusammenfassend gibt es also immer noch keine erfolgversprechende ursächliche Behandlung des Schnarchens. 

Aber wie gesagt: Es winken Ruhm und Reichtum für den, der eine findet!
15. Wann behandelt man Schlafapnoe?
Wenn ein Mensch mehr als 10 Atemaussetzer pro Stunde hat, so liegt definitionsgemäß eine Schlafapnoe-Erkrankung vor.
Man teilt den Schweregrad der Erkrankung nach der Anzahl der Atemaussetzer grob in 3 Gruppen ein:
Leichtgradig = 10 – 20 Aussetzer pro Stunde
Mittelgradig = 20 – 40 Aussetzer pro Stunde
Schwergradig = mehr als 40 Aussetzer pro Stunde.
Bei der Einschätzung des Schweregrades muss aber auch die Verteilung berücksichtigt werden. Wenn zum Beispiel ein Patient in 2 aufeinanderfolgenden Stunden 60 Atemaussetzer hat und in den anderen 4 Stunden seines Schlafes keinen Einzigen mehr, kommt er in der Berechnung auf einen Schnitt von 10 Aussetzern pro Stunde. Dieses gilt als gerade noch normal.
Trotzdem ist der Schlaf in den besagten 2 Stunden erheblich gestört, was durchaus zu Tagesmüdigkeit führen kann.
 

Desweiteren spielt auch die Länge der Atemaussetzer eine Rolle.
15 Atemaussetzer pro Stunde von gerade einmal 10 Sekunden Dauer sind sicherlich weniger schlimm als 10 Atemaussetzer pro Stunde, von denen jeder Aussetzer aber über 1 Minute dauert.
 

Auch das Ausmaß der Sauerstoffentsättigungen im Blut muss bewertet werden.
Sicherlich sind 20 Atemaussetzer pro Stunde, die zu keiner Sauerstoffentsättigung des Blutes führen, weniger gefährlich als 15 Atemaussetzer pro Stunde, bei denen der Sauerstoffgehalt im Blut um 50 % absinkt.
 

Auch hängt der Schweregrad der Erkrankung vom Ausmaß der Beeinträchtigung ab.
Es läßt sich leicht vorstellen, dass der Arzt einen Patienten mit nur 5 Atemaussetzern pro Stunde, der aber tagsüber kaum noch leistungsfähig ist, weil er ständig einschläft, behandeln wird, während er einen anderen Patienten mit der gleichen  Anzahl von Atemaussetzern, der überhaupt keine Beschwerden außer seinem Schnarchen hat, nicht behandeln wird.
 

Bei der Entscheidung, eine Therapie einzuleiten, müssen neben der Schwere einer Schlafapnoe-Erkrankung auch eventuelle Begleiterkrankungen berücksichtigt werden. Bei Atemstörungen bzw. Schlafstörungen nach einem Schlaganfall hat man herausgefunden, dass die geschädigten Körperfunktionen deutlich schneller wiederhergestellt werden, wenn man nicht nur den Schlaganfall, sondern auch die Schlafapnoe behandelt.
Gleiches gilt für das gleichzeitige Vorliegen von Schlafapnoe und Herzschwäche. Auch hier kann sich die Herzschwäche deutlich bessern, wenn man nicht nur diese, sondern auch die Schlafapnoe behandelt.
Wie schwergradig eine Schlafstörung also ist und ob man sie behandeln muss, hängt also nicht allein von der Anzahl der Atemaussetzer pro Stunde ab, sondern auch von anderen Faktoren.
Die Entscheidung über die Notwendigkeit der Behandlung sollte daher dem Spezialisten überlassen werden.

16. Wie behandelt man Schlafapnoe?
So gut wie nie tritt eine spontane Besserung der Beschwerden im Laufe der Jahre ein.
Zumeist verschlimmert sich der Befund mit zunehmendem Lebensalter.
Dieses ist verständlich, wenn man bedenkt, dass viele Bindegewebe im Laufe des Lebens zunehmend erschlaffen und viele Muskeln an Ausprägung abnehmen und die Koordination der einzelnen, an der Atmung beteiligten Muskeln über die Innervation durch die Nervenbahnen schlechter wird, so dass letztlich ein Kollaps der oberen Atemwege begünstigt wird.
I Konservative (nicht-operative) Behandlung:
Gewichtsreduktion
Bei übergewichtigen Schlafapnoe-Patienten kann die alleinige deutliche Gewichtsreduktion als Therapie ausreichen. Die Umstellung der Ernährungsgewohnheiten, (evtl. mit Unterstützung eines Ernährungsberaters) und vermehrte körperliche Betätigung sind daher die günstigsten und gleichzeitig ursächlich wirkenden Therapiemöglichkeiten bei obstruktiver Schlafapnoe.
Schlafhygiene
Unter „Schlafhygiene“ versteht man allgemeine Maßnahmen, die sich günstig auf die Schlafqualität und damit auch auf die Therapie einer Schlafapnoe auswirken.
Dazu zählen
  • Alkoholverzicht
  • Schlafmittelverzicht
  • regelmäßige Schlaf-Wach-Zeiten
  • ruhige nächtliche Umgebung und gemäßigte Zimmertemperatur
  • Vermeiden von Nacht- und Wechselschichten.
Bei einigen Patienten reichen allein diese Maßnahmen aus, die Beschwerden deutlich zu bessern.
In der überwiegenden Zahl der Fälle sind es aber nur Begleitmaßnahmen, die zusätzlich zu einer der nachfolgend beschriebenen Therapieformen durchgeführt werden.
Körperposition
Oftmals treten Atemaussetzer häufiger in Rückenlage als in Seiten- oder Bauchlage auf, was unter anderem dadurch zu erklären ist, dass in Rückenlage die Zunge nach hinten fällt und die Atemwege verschließt.
Aber nur in seltenen Fällen treten die Atemaussetzer ausschließlich in Rückenlage auf. Findet sich aber eine streng rückenlage-abhängige Schlafapnoe, so kann eine Lagerungs-Therapie erfolgreich sein.
Dazu wird ein Schaumstoffkeil in das Schlafanzugoberteil eingenäht, oder eine hierfür speziell entwickelte Rückenlageverhinderungsweste verwendet, so dass der Patient nicht mehr auf dem Rücken liegen kann und demzufolge keine Atemaussetzer mehr auftreten.
Auch sind Sensoren entwickelt worden, welche einen Warnton bei Rückenlage geben und über eine hierdurch ausgelöste Weckreaktion die Apnoe beenden sollen und den Patienten längerfristig konditionieren sollen, die Rückenlage zu verlernen. Studienergebnisse welche den Erfolg belegen, sind z.Zt. jedoch nur für die Rückenlageverhinderungswesten verfügbar.
Medikamentöse Therapie
Trotz vieler Versuche mit  verschiedensten Medikamenten hat sich bisher kein Medikament bewährt.
Retardiertes Theophyllin in einer Dosierung zwischen 100 und 500 mg (20 Minuten vor dem Schlafengehen) führte zu einer Reduktion der zentralen Apnoen durch eine Steigerung des Atemantriebs und zu einer Reduktion der apnoeassoziierten Weckreaktionen. (Javaheri et. Al. 1996, N Engl. J Med)
Aber
  • 20 % der Schlafapnoe-Patienten sprechen nicht an
  • es tritt ein Gewöhnungseffekt nach einigen Monaten ein
  • bei mittelschwerer und schwerer Schlafapnoe ist Theophyllin nicht
    erfolgreich.
Auch wurden vereinzelt Erfolge nach Gabe von Protriptylin, einem nicht müde machendem Antidepressivum berichtet.
Der Wirkstoff Azetazolamid führt über eine pH-Wert-Verschiebung im Blut  zu einer Steigerung des Atemantriebs. In Einzelfällen ist diese Therapie bei Patienten mit  zentralen Schlafanoen erfolgreich. Für die Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe besteht keine Wirksamkeit.
CPAP-Therapie
Die CPAP-Therapie ist die erfolgreichste Therapie einer Schlafapnoe.

Der Australier Sullivan fand 1981 heraus, dass man die kollapsgefährdeten, oberen Atemwege im Schlaf stabilisieren kann, wenn man über die Nase einen Überdruck zwischen 5 und 20 mbar  in den Atemwegen aufbaut. Auf diese Weise werden die Atemwege geschient (vergleichbar einem Fahrradschlauch, der aufgepumpt wird).
Man benötigt hierzu eine Druckluftpumpe (funktioniert wie ein Gebläse), ein Schlauchsystem und eine festsitzende Nasenmaske.
Sullivan nannte diese Therapie CPAP-Therapie (Continous Positiv Airway Pressure), weil durch diese Konstruktion kontinuierlich ein positiver Atemwegsdruck aufgebaut wird.

Durch die kontinuierliche Überdruckbeatmung kann man sowohl alle Schnarchgeräusche als auch alle Atemaussetzer vollständig beseitigen, allerdings nur für die Dauer dieser Beatmung. Der aufgebaute Druck ist jedoch nicht so hoch, dass der Patient „aufgeblasen“ wird, sondern lässt eine Ausatmung der eingeatmeten Luft zu.
Ein Druck von 12 mbar  auf den Atemwegen ist etwa so, wie wenn man auf der Autobahn bei Tempo 140 km/h den Kopf aus dem Fenster steckt und dann ein- und ausatmet.

Trotz dieser zunächst abschreckend anmutenden Therapie ist die Langzeitakzeptanz bei den Patienten sehr gut, zumal sich bei ~ 80 % der Patienten das Befinden nach Therapieeinleitung deutlich verbessert. Allerdings zeigten Studien, dass nach mehreren Jahren nur etwa 50% der Patienten das Gerät regelmäßig anwenden.

Nachteilig können sein
  • das Austrocknen der Mund – und Nasenschleimhäute. Dieses geschieht insbesondere, wenn der Mund in der Nacht geöffnet wird und der über die Nasenmaske aufgebaute Überdruck durch den Mund entweicht (hier kann die Verwendung einer Maske helfen, welche den Mund miteinschließt).
  • Durch die Austrocknung der Nasenschleimhaut kann diese anschwellen und die Nasenatmung behindern (dem kann man mit öligen Nasentropfen oder einem speziellen, teilweise bereits in die Geräte eingebauten Atemluftbefeuchter entgegenwirken) die Druckstellen im Bereich der Maske (es gibt inzwischen über 50 verschiedene Maskenformen und Maskengrößen von unterschiedlichen Herstellern, notfalls ist sogar die individuelle Anfertigung einer Nasenmaske für einen Patienten möglich)
  • die Bindehautreizung durch einen ständigen Luftstrom in Richtung der Augen bei geringen Maskenundichtigkeiten
  • die Lautstärke des Gerätes (die neuen Geräte-Generationen sind bereits im Vergleich zu ihren Vorgängern deutlich leiser geworden und werden in Zukunft noch leiser werden, darüber hinaus ist jedes Schnarchen deutlich lauter und störender als ein solches Gerät)
Viele Patienten sind der Meinung, sie schliefen mit offenem Mund. Dadurch würde über den Mund ständig Druck entweichen und eine Schienung der Atemwege unmöglich werden.
Glücklicherweise haben über 90 % aller Patienten im Schlaf den Mund geschlossen. Bei den wenigen, die den Mund regelmäßig öffnen, kommen Kinnbinden (die das Aufklappen des Mundes verhindern) oder Nasen-Mund-Masken (die sowohl Nase als auch Mund umschließen) zur Anwendung. Auch können spezielle Bissschilde aus Silikon verwendet werden, welche ein Entweichen der Luft aus dem Mund verhindern.
Die Einstellung auf eine solche CPAP-Therapie muß in einem Schlaflabor erfolgen.
Zum Einen ist sehr viel Erfahrung nötig, um die richtige Maske anzupassen. Zum Anderen – und das ist der Hauptgrund- benötigt jeder Patient sein spezielles Druckniveau und ggf. auch eine besonderen Modus der Druckeinstellung. Es ist nicht möglich, von der Anzahl der Atemaussetzer oder der Ausprägung der Schläfrigkeit auf die Höhe des benötigten Überdruckes zu schließen. Der Druck wird dementsprechend in der Therapie-Nacht so lange erhöht, bis keine oder nur noch wenige Atemaussetzer nachweisbar sind und der Schlaf sich wieder normalisiert hat. Selbstverständlich muß der Patient dazu während dieser Nacht wieder verkabelt werden.
In den Fällen, in denen das benötigte Druckniveau 12 mbar übersteigt oder der Patient den erreichten Überdruck nicht toleriert, kann ein sogenanntes BIPAP-Gerät (Bi-level Positiv Airway Pressure) eingesetzt werden, das beim jeden Ausatmen den Druck herunterreguliert und bei jedem Einatmen wieder erhöht.
Insbesondere für Patienten mit Herz-Vorerkrankungen, insbesondere einer Herzschwäche, einer koronaren Herzerkrankung sowie Herzmuskelerkrankungen ist diese Therapieform sinnvoll, da durch den geringeren Druck  während der Ausatmungsphase der Herzmuskel weniger Arbeit leisten muss.
Die derzeitige Entwicklung der Geräte geht hin zu einem automatischen oder auch sog. „intelligenten“ CPAP-Gerät, welches in der Lage ist, Atemaussetzer zu erkennen und dann selbständig das Druckniveau so lange erhöht, bis keine Atemaussetzer mehr auftreten und anschließend nach einer gewissen Zeit den Druck versuchsweise wieder absenkt. Die Geräte bezeichnet man als Auto-CPAP- bzw. APAP-Geräte.
Dadurch wird in Zukunft wahrscheinlich für viele Patienten die Therapie-Einstellung in einem Schlaflabor auf eine Nacht verkürzt werden können und auch Kontrolluntersuchungen nur noch auf einige wenige Problemfälle beschränkt werden.
Wenn auch Sie an einem Schlafapnoe-Syndrom leiden und über eine CPAP-Therapie nachdenken, dann sollten Sie aber wissen, dass jeder nCPAP-Modus Vor- und Nachteile haben kann.
In Deutschland werden alle drei Systeme, normales CPAP, Bi-level-Modus und Auto-CPAP angewendet. Welches dieser Systeme für Sie das Richtige ist, muss Ihr Arzt entscheiden.
Die CPAP-Therapie behandelt nur die Folgen (das heißt den Kollaps bzw. die Verengung der Atemwege) und nicht die Ursache der Erkrankung (die Erschlaffung der Muskulatur).
Wenn man die Therapie unterbricht oder beendet, treten innerhalb von 1 bis 3 Tagen die ursprünglichen Beschwerden wieder auf.
Daher ist die CPAP-Therapie eine lebenslange Therapie.
Wer sich aber einmal mit einem Betroffenen unterhalten hat oder selber betroffen ist und durch die Therapie seine Schaffenskraft am Tage wiedererhalten hat, der versteht, dass ein erfolgreich behandelter Patient sein CPAP-Gerät nie mehr freiwillig abgeben wird.
Kosten
Der Preis einer CPAP-Maske liegt zwischen € 150.- und  €250.-.
Eine individuell angefertigte Maske kostet etwa € 1000.-.
CPAP-Geräte liegen zwischen € 1800.- und  € 2500.-, BIPAP-Geräte zwischen €.3000.- und  € 3600.-.
Die Auto-CPAP-Geräte kosten je nach Hersteller um € 2500.-.
II Operative Behandlung: 

Bei Patienten, die an einem obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndrom erkrankt sind und bei denen eine anatomische Behinderung der Nasenatmung vorliegt, z.B. durch eine verbogene Nasenscheidewand und vergrößerte Nasenschwellkörper, erbringt eine operative Behebung der Nasenatmungsbehinderung in den meisten Fällen eine deutliche Besserung. Hier wird eine operative Begradigung der verbogenen Scheidewand (Septumplastik) in Kombination mit einer Verkleinerung der die Nase zu sehr einengenden vergrößerten Nasenschwellkörper (Nasenmuscheln=Conchae) am schonensten mittels laserchirurgischer Methoden (Laser-Conchotomie) vorgenommen. Bei Einengung des Rachens durch vergrößerte Gaumenmandeln, einen verdickten Zungengrund oder durch einen tiefhängenden weichen Gaumen muss nach vorheriger genauer Untersuchung durch einen Operateur mit viel Erfahrung in der Therapie von obstruktiven Schlafstörungen entschieden werden, ob eine Gaumenmandelentfernung (Tonsillektomie), und/oder ggf. operative Straffung des weichen Gaumens sinnvoll erscheint. Auch hier haben sich die gewebeschonenderen laserchirurgischen Verfahren (Laser-assozierte Uvulaplastik=LAUP) gegenüber den älteren radikaleren Operationsmethoden bewährt. Die klassische Uvula-Velo-Pharyngo-Plastik=UVPP führte in manchen Fällen zu einer unangenehmen, oftmals auch bleibenden Folge beim Schlucken von Speisen und Flüssigkeiten. Die Nahrung wird über den Rachen nach oben verschluckt und gelangt (quasi „von hinten“) in die Nase. Die Ursache war eine zu radikal durchgeführte operative Kürzung des weichen Gaumens. Durch die Anwendung der gewebeschonenderen laserchirurgischen Verfahren, wird diese unangenehme Komplikation vermieden.
Bei Patienten mit einer leichtgradigen Schlafapnoe oder bei denen nur ein obstruktives Schnarchen ohne Apnoen vorliegt, kann ein operativer Eingriff  im Bereich der oberen Atemwege, sofern er den sinnvoll erscheint, einen deutlichen Erfolg bringen. Bei Patienten mit einer schwergradigeren Schlafapnoe ist in den meisten Fällen eine Behandlung mittels Überdruckbeatmung (CPAP/VPAP-Therapie) und falls notwendig  eine kombinierte Therapie mittels oben genannter operativer Maßnahmen erfolgreich. Eine alleinige operative Behandlung bringt in diesen schweren Fällen  i.d.R. keine ausreichende Besserung der Erkrankung.
17. Welche anderen Krankheiten außer Schlafapnoe kommen noch als Ursache von Schlafstörungen in Frage ?
In der Fachsprache gehört die Schlafapnoe zu den sogenannten „schlafbezogenen Atemstörungen„. 

Unter diesen Oberbegriff fallen alle Erkrankungen, bei denen es im Schlaf durch unterschiedliche Ursachen zu Störungen der Atmung kommt mit der Folge von Schlafproblemen, Tagesmüdigkeit, Leistungsverlust und weiteren Symptomen. 

Man unterscheidet bei der Schlafapnoe eine obstruktive Form (Atemaussetzer durch Verengung bzw. Kollaps der Atemwege) von einer zentralen Form (Aussetzen der Atmung durch fehlenden Atemantrieb im Gehirn ohne Verengung der Atemwege).
In diesen Kapiteln wird ausschließlich die obstruktive Schlafapnoe besprochen. Die zentrale Schlafapnoe ist sehr viel seltener und wird daher hier nur am Rande erwähnt.
 

Weitere Erkrankungen, die mit Schlafproblemen, Tagesmüdigkeit und Leistungsverlust einher gehen können, sind u.a.:
  • Psychisch bedingte Schlafstörungen (besonders die sogen. Psychophysiologische Schlafstörung kommt häufig vor). Hierbei entwickeln die Betroffenen ungewollt Mechanismen und Verhaltensweisen, welche ein rasches Einschlafen verhindern. Typisch sind übertriebene Anstrengungen, schnell einschlafen zu können, Ärger über das Nicht-Einschlafen-Können, erhöhte körperliche Anspannung, z.T. mehrstündiges nächtliches Wachliegen.
  • Hypoventilationssyndrome (langanhaltende Minderatmung durch eine
    Fehlfunktion der körpereigenen Messfühler für Kohlendioxid und Sauerstoff, z.B. Undines Fluch-Syndrom)
  • Syndrom der periodischen Extremitätenbewegungen (das sogen. PLM-Syndrom: nächtliche Zuckungen der Beine und Arme führen immer wieder zu Weckreaktionen, daduch wird der normale Schlafablauf gestört; siehe Kapitel 10. „Wie unterscheidet man „gesunden“ Schlaf von „gestörtem“ Schlaf?“
  • Schlafstörungen durch äußere, beeinflussende Faktoren (z.B. bei schlechter Schlafhygiene, Lärmbelästigung, zu geringer Gesamtschlafdauer)
  • Störungen des 24 Stunden Schlaf-/ Wachrhythmus (z.B. nach Zeitzonenwechsel)
  • Parasomnien (Eine große Gruppe unterschiedlicher Schlafstörungen
    die beim Erwachen auftreten und mit auffälligen Verhaltensmustern einhergehen können. Hierzu zählen Aufwachstörungen wie Schlafwandeln und Schlaftrunkenheit, aber auch REM-Schlaf-abhängige Schlafstörungen wie Alpträume und Schlaflähmung sowie andere Schlafstörungen wie nächtliches Zähneknirschen, Einnässen )
  • Schlafstörungen bei körperlichen Erkrankungen (z.B schlafbezogenens Asthma bronchiale, gastroösophagealer Reflux im Schlaf)
  • Schlafstörungen bei neurologischen Erkrankungen (z.B. Hirnabbauerkrankungen wie Alzheimersche Erkrankung,  M. Parkinson, oder Epilepsien/Krampfleiden)
  • Schlafstörungen bei psychiatrischen Erkrankungen (z.B. Depressionen, Psychosen, Alkoholerkrankung oder Schlafmittelmissbrauch)
Nicht zuletzt können verschiedene andere körperliche Erkrankungen (z.B. bei Schmerzsyndromen, eine Schilddrüsenfunktionsstörung, Mineralstoffstörungen)
Schlafstörungen verursachen.
18. Autounfälle durch Schlafapnoe: „Ein unterschätztes Problem“ oder „Der schnelle Tod durch den Sekundenschlaf“!
Es gibt Schätzungen auf der Grundlage von Unfallstatistiken, das 20 – 25 % der Unfälle im Straßenverkehr durch Einschlafen am Steuer bedingt sind.
Damit gehört das Einschlafen am Steuer neben Alkohol und überhöhter Geschwindigkeit zu den häufigsten Ursachen von Verkehrsunfällen.
Oftmals verlaufen diese Unfälle besonders schwer, da der Fahrer keine Möglichkeit hat, überhaupt zu reagieren.
Das Unfallrisiko von Patienten mit Schlafapnoe ist gegenüber dem aller anderen Autofahrer nach Studienergebnissen um das 2,6-fache  bis 7 fache erhöht!
25 %, also ein Viertel aller Patienten mit Schlafapnoe schlafen nach eigener Auskunft regelmäßig einmal pro Woche am Steuer ein!
In einer amerikanischen Studie ließen sich bei amerikanischen Schlafapnoe-Patienten statistisch
vor CPAP-Therapie 0,93 Unfälle und Beinahe-Unfälle pro 10.000 Meilen durch Einschlafen am Steuer feststellen,
nach CPAP-Therapie fanden sich nur noch 0,4 Unfälle und Beinahe-Unfälle Meilen durch Einschlafen am Steuer pro 10.000 Meilen.
Bislang gibt es kein Gesetz, das Patienten mit Schlafapnoe das Autofahren untersagt, bis sie erfolgreich behandelt worden sind.
Selbst wenn jemand regelmäßig am Steuer einschläft und bereits mehrere Unfälle verursacht hat, darf er weiter Auto fahren.
 

Hier besteht sowohl bei den Betroffenen als auch bei der allgemeinen Bevölkerung noch Informations- und sicherlich auch Handlungsbedarf.
19. Gibt es Schlafapnoe auch bei Kindern ?
Schlafstörungen sind im Säuglings- und Kindesalter gar nicht so selten und können verschiedene Ursachen haben.
Unter anderem kann bereits im Kindesalter Schlafapnoe auftreten. Es kommt dann genauso wie beim Erwachsenen zu Schnarchen und Atemaussetzern.
Im Unterschied zur Schlafapnoe bei Erwachsenen, wo in der Regel ein Kollaps der Atemwege auftritt, hat die Atemwegsverengung bei Kindern aber meistens eine organische Ursache. Es liegt also ein direktes Hindernis vor, das die Atmung stört. In Frage kommen beispielsweise bei Säuglingen angeborene Fehlbildungen (Kieferspalten, Retrognathie = sogenanntes fliehendes Kinn), bei Kleinkindern massiv vergrößerte Rachen- oder Gaumenmandeln oder vergrößerte Nasenmuscheln.
Oftmals läßt sich die gesamte Schlafapnoe-Symptomatik durch eine operative Korrektur der Fehlbildung oder eine Entfernung der Rachen- und/oder  Gaumenmandeln (die sogenannte Adenotomie bzw. Tonsillektomie) vollständig beseitigen (siehe Kapitel 14. „Was hat der Hals-Nasen-Ohren-Arzt mit einer Schlafapnoe-Erkrankung zu tun?“).
Daher erübrigt sich bei Kindern in den allermeisten Fällen eine CPAP-Masken-Therapie.
20. Wo kann die große Schlaflabor-Untersuchung (Polysomnographie) durchgeführt werden ?

In Deutschland gibt es inzwischen flächendeckend Schlafzentren.
Derzeit sind etwas über 200 Schlaflabore von der Deutschen Gesellschaft für Schlafmedizin (DGSM) anerkannt worden, das heißt,  diese Schlaflabore erfüllen die Qualitätskriterien, die die DGSM an ein Schlaflabor stellt. Hierdurch wird sichergestellt, dass die Schlaflabore über die entsprechenden technischen und personellen Voraussetzungen verfügen, um Patienten mit Schlafstörungen nach aktuellem Wissensstand helfen zu können. Auch müssen sich diese Schlaflabore fortlaufenden regelmäßigen Kontrollen unterziehen, die die medizinische Arbeit in Diagnstik und Therapie überprüfen.

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